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Ein neuer Quartiersbegriff – muss das sein? Interview mit Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer

Das DUCAH-Forum am 20. April 2023 im ChangeHub der Evangelischen Bank dreht sich in wesentlichen Teilen um den Quartiersbegriff und um das „DUCAH-Besser-leben-Quartier“. Wir haben Prof. Dr. Dr. Thomas Schildhauer (aka Thoschi), den Initiator und Wissenschaftlichen Direktor von DUCAH, gefragt warum das Thema für die DUCAH-Genossenschaft so wichtig ist.

1. Der Quartiersbegriff steht im Zentrum des kommenden DUCAH-Forums. Ist das Thema nicht schon weitgehend „abgegrast“.

Thoschi (lacht): Ja und nein. Das Thema Quartier ist ein wichtiges – gerade in der Sozialwirtschaft. Im Rahmen des Quartiersbegriffs wird der ganzheitliche Ansatz verfolgt, die Lebensbedingungen der Bewohnerinnen und Bewohner in einem Quartier zu verbessern. So weit so gut. Aber was ist ein Quartier genau? In Deutschland bezieht sich Quartier oft auf Nachbarschaftsbeziehungen in bestimmten Stadtteilen oder Vierteln. Aber eben nicht immer. Und auch unter den Genossenschaftsmitgliedern wollen wir jetzt gemeinsam eine Definition eines für DUCAH allgemeinverbindlichen und für den DUCAH Innovationstransfer passenden Quartiersbegriffs erarbeiten und verabschieden.

2. Reichen die bisherigen Definitionen denn nicht aus? Warum noch eine weitere Variante?

Thoschi: Es geht weniger um eine Neudefinition, als um eine für DUCAH und die beteiligten Organisationen allgemeinverbindliche. Das ist uns bei DUCAH sehr wichtig, denn das Quartier ist die Grundlage für etwas ganz Neues: Das „DUCAH-Besser-leben-Quartier“. Und hier muss das Fundament einfach einmal richtig gegründet sein. Nur so können wir alle von den gleichen Gegebenheiten ausgehen.

3. Das klingt spannend. Auch wenn es erst noch zur finalen Definition auf dem DUCAH-Forum kommen wird, wie lautet denn Ihre Vision eines DUCAH-Besser-leben-Quartiers?

Thoschi: DUCAH ist mit dem Anspruch an den Start gegangen, den Menschen ein längeres besseres Leben, unterstützt durch soziale und digitale Innovationen zu ermöglichen. Dazu braucht es aber auch Orte, an denen diese Innovationen, Ideen und Anwendungen erprobt werden können – und dass am Besten in einer Einrichtung, die vorbereitet und gut in einem umgebenden Quartier integriert ist. Das würde dann ein DUCAH-Besser-leben-Quartier kennzeichnen.

Das lässt sich ganz gut an einem fiktiven Beispiel erklären: Nehmen wir an, ein Unternehmen möchte ein neuartiges „Sturzradar“ auf den Markt bringen. In einer letzten Erprobung soll es lebensnah getestet werden. Und genau dafür bietet sich eine klassifiziertes DUCAH-Besser-leben-Quartier an. Hier sind die Seniorinnen und Senioren vorbereitet und offen für Neues, hier sind die Angehörigen über die fortschrittliche Pflege ihrer Angehörigen höchst erfreut, das Pflegepersonal ist ebenfalls vorbereitet und vorinformiert über dieses neue Gerät. Gut informiert sind Alle sehr davon angetan, Dinge auszuprobieren, die den Lebens- und Arbeitsalltag erleichtern. Und nicht zuletzt freut sich die Pflegeorganisation darüber, dass sie eine moderne und zukunftsorientierte Lösung einsetzen und sich dadurch als Sozialunternehmen noch besser vermarkten kann. Schließlich ist die wissenschaftliche Begleitung und Vorbereitung des Quartiers durch DUCAH sichergestellt. Auch ethische Fragen sind im Vorfeld geklärt.

Es geht einerseits um die entsprechende Einrichtung, die vorab klassifiziert wird und dabei insbesondere um die Einbindung der Einrichtung im umgebenden Quartier. Deshalb könnte in dem hier beschriebenen fiktiven Fall das Sturzradar auch im Dorfladen, der Apotheke oder im Park installiert werden. Eine echte Win-win-Situation für alle Beteiligten. Die Menschen vor Ort kommen in den Genuss einer Innovation, die ihr Leben „besser“ und sicherer macht . Der Pflegeanbieter setzt innovative Lösungen ein und erhält dadurch einen Wettbewerbsvorsprung und das Unternehmen, welches das Radar anbietet, kommt sehr schnell und unkompliziert zu validen Forschungs- und Testergebnissen, die sie in der Form sonst nicht bekämen.

Zu den Parametern, die ein DUCAH-Besser-Leben-Quartier letztlich ausmachen und wie solch eine Klassifikation ablaufen kann, dazu werden wir auf dem DUCAH-Forum am 20.4. die Grundlagen mit den Teilnehmenden aus dem DUCAH Netzwerk gemeinsam bearbeiten.

Ich persönlich bin schon sehr gespannt und freue mich auf das Ergebnis. Denn mit den DUCAH-Besser-Leben-Quartieren schaffen wir eine wichtige Voraussetzung in Deutschland, damit digitale und soziale Innovationen schneller und menschenzentriert bei den Bewohnerinnen und Bewohnern und den Pflegekräften und Ärztinnen und Ärzten ankommen und nutzenstiftend eingesetzt werden können.
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